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PIONIERE DER SCHOTTERSTRASSE

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1956: Pioniere der Schotterstraße
Als die 125 ccm noch 5 PS hatten

Eine verstaubte Schachtel ganz hinten im Schrank meiner Mutter, darin ein paar Fotoalben ... Vati am Roller? Mutti als Sozia? Der Plöcken-Paß und das Stilfser-Joch in pur-natur Schotterstraßerl gehalten? Und gerade er, der seiner Tochter nie erlaubt hat, auf einem Moped auch nur hinten drauf zu sitzen, kämpfte sich in den 50er Jahren in drei Wochen 4.732 km über schneebedeckte Pässe, unberührte Landschaften und einmal rechts herum durch Italien? Da muß man doch einmal nachfragen ...

31. Mai - 20. Juni 1956

Wien - Mönichkirchen - Graz - Packstraße - Gailtal - Plöckenpaß - Perarolo - Lago di San Croce - Venedig - Padua - Ravenna - Ferrara - Cervia - Rimini - San Marino - Riccione - Ancona - Loreto - San Salvo - Termoli - Maiori - Amalfi - Positano - Capri - San Michele - Faraglioni - Pompei - Vesuv - Napoli - Sorrent - Rom - Livorno - Pisa - Florenz - Carrara - Rapallo - Genua - Milano - Lago Maggiore - Como See - Stilfser Joch - Bozen - Drei-Pässe-Fahrt - Cortina d´Ampezzo - Lienz - Wien

Also lassen wir sie erzählen, die Elisabeth:

31. Mai 1956, 4 Uhr früh. Aufpacken und Abfahrt!"Im Jahre 1955 hat sich mein Mann Otto einen 125er Puch-Roller mit 5 PS gekauft. Wir waren jung - 30 und 29 Jahre alt - und liebten es, uns bei der Fahrt den Wind um die Ohren blasen zu lassen.

1956 haben wir große Reisevorbereitungen gemacht. Mit Italienischkenntnissen waren wir aus früheren Badeaufenthalten schon versorgt, haben aber noch viel gelernt, um uns verständigen zu können.

Als wir uns am 31. Mai 1956 um 4 Uhr früh auf die Fahrt begeben haben, war das Wetter nicht vielversprechend. Das Gepäck bestand aus zwei Koffer auf dem Gepäcksträger, darauf die Plastikgarage, links und rechts zwei große Packtaschen und an der Schürze auf einem Haken eine Tasche mit den wichtigen Papieren, Geld, Plänen etc.

Aus dem Tagebuch:
Donnerstag, 31. Mai 1956:
"Die Koffern waren schon gepackt und um 3 Uhr früh war Tagwache. 10 Minuten vor 4 Uhr war alles verstaut. 2 Koffer, 2 Packtaschen, 1 Handtasche. Dazu kam noch die Garage. Gewicht des Gepäcks ca. 35 kg. Lisl mit 65 kg, ich mit 80 kg, ergibt eine Gesamtlast von 180 kg. Durch die schlafende Stadt ging es im 50-km-Tempo, einige Nachtbummler schauten erstaunt auf uns Frühaufsteher.
Um 3/4 12 Uhr waren wir in Graz und hatten somit die ersten 200 km in der nicht besonders phantastischen Zeit von 8 Stunden zurückgelegt. Vor Graz hatten wir noch unsere Hupe richten lassen (10,- Schilling).
In der Nähe vom Uhrturm parkten wir, bestiegen eilends den Schlossberg und suchten uns ein Restaurant. Gegen 2 Uhr ging es weiter. Kurze Rast machten wir nach der Fahrt über die sehr schöne Packstraße auf der Packerhöhe. Über den Griffener Berg ging es dann weiter bis Velden, wo wir um 1/2 8 Uhr ankamen und im Kupperhaus Quartier nahmen.
Wir hatten unterwegs 2 mal getankt und mit den ersten 5 Litern 218 km zurückgelegt. Das hat uns sehr verblüfft, später aber haben wir uns daran gewöhnt, sogar 230 km mit 5 Liter Benzin zu fahren."

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Otto:

4. 5. 1925 geboren - Absolvent der Hochschule für Welthandel zum Dkfm.
Damals im ersten Stoffgeschäft von Wien hinter der Oper als Verkäufer, Importabwicklung der aus England ankommenden Stoffe und Kundenberatung tätig.

Elisabeth:

14. 6. 1926 geboren - damals Bilanzbuchhalterin, Stütze des Chefs in einer Lebensmittel-Importvereinigung von Wiener und N.Ö. Lebensmittel-Großhändlern.

"Kasperl", der Roller

Unser Puch Roller wurde neu gekauft und kostete damals fast 10.000 öS. Wir mußten lange sparen. Otto verdiente ca. 1.200,- öS pro Monat, ich nur 800,- öS.


Otto mit dem Puch 125er

Elisabeth. Rast bei Mönichkirchen
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Aus dem Tagebuch:
Freitag, 1. Juni 1956:
"In der Früh gegen 5 Uhr erwachte ich durch ein alarmierendes Geräusch. Es trommelte gegen das Dach: Regen! Trotzdem standen wir wie vorgesehen auf und fuhren um 1/2 8 Uhr ab. In Villach machten wir eine längere Pause ...
Im Gailtal fuhren wir auf einer Straße, die stellenweise so schlecht war, daß der Landeshauptmann von Kärnten dafür lebenslangen Kerker verdienen würde. Und dann kamen wir zur Anfahrt zum Plöckenpaß. Eine herrliche, ganz neue Straße, mehr als 10 m breit verhieß uns eine angenehme Fahrt. Aber schon nach wenigen 100 m war es aus. Ein fürchterlicher Karrenweg, der niemals die Bezeichnung Straße verdient, führte zur Paßhöhe hinauf. Es wurde einige male so schlecht, daß ich, da ich nur im 10-km-Tempo fahren konnte und Steigungen bis etwa 15 % da waren, eine male den Motor abwürgte. Zwei mal musste Lisl auch absteigen, weil die Steigung zu groß war, um mit 180 kg Belastung anzufahren."

Gailtal, 1. 6. 1956<<< Gailtal

So ein Puch-Roller hat auf ebener, gut ausgebauter Straße höchstens 55 km/h geschafft. Wenn nun Berge oder Paßstraßen zu bewältigen waren, war die Tagesleistung so um die 200 km.

An unserem ersten Tag begleitete uns Regen. Nach Arnoldstein bekamen wir schon die warme südliche Luft und Sonnenschein zu spüren.

PacksattelPackstraße >>>

Zur damaligen Zeit gab es keine besondere Ausrüstung für Rollerfahrer, dennoch waren wir bestrebt, uns zweckmäßig zu kleiden.

Der Kopf wurde mit einem Häubchen aus Baumwollstoff bedeckt gegen Sonneneinstrahlung.
Die Augen mit einer Motorradbrille geschützt.
Als Jacke wurde eine ganz einfache aus Baumwollgabardine getragen, Hose aus Schnürlsamt, dazu normale Halbschuhe.

Plöckenpaß anno 1956<<< Plöckenpaß 1.360 m

Nun sah es sehr lustig aus, wenn wir uns am Abend entkleideten. Zwischen Häubchen und Brille ein sonnenverbrannter Streifen, am Hals detto, zwischen den Socken und der hinaufgerutschten Hose auch eine braun gebrannte Stelle.

Plöckenpaß, heute würde man Forststraße dazu sagen!Später schafften wir uns dann von der Firma "Klepper", die Wanderkleidung herstellte, starke Regenmäntel und Überzüge für die Waden, die auch über die Schuhe reichten, an. Das Wasser floß aber bei Regen nicht daneben, sondern in die Schuhe. Letztere mußten dann des öfteren vom Regenwasser befreit werden.

Kleine RastDamals hatte man noch keine Vorschriften für einen Sturzhelm, war doch auch die Kleidung nicht mit Protektoren versehen - man muß aber auch das Tempo berücksichtigen, das man damals gefahren ist.

In den Nachkriegsjahren waren natürlich die Paßstraßen noch nicht ausgebaut und man mußte auf Schotter so manchen Kilometer hinter sich bringen.


PeraroloPerarolo >>>

Die Bergpässe in Südtirol waren für ein so kleines Spuckerl wie den Puch-Roller 125 ccm schon schwer zu bewältigen, aber ich kann mich nicht erinnern, daß der Kleine das einmal mit unserem Lebendgewicht plus Gepäck nicht geschafft hätte.

Aus dem Tagebuch:
"Nach einer raschen [Grenz-]Abfertigung waren wir in Italien. Die Straße wurde gleich besser und führte in schönen Serpentinen ins Tal. Das Tal selbst war nur von wenigen Menschen bewohnt. Der Boden ist steinig und unfruchtbar, die Menschen leben in armseligen Steinhäusern, die schon generationenalt sind und ernähren sich kümmerlich vom Ertrag ganz kleiner Gemüse- und Getreideflächen und von kleinen Schafherden. Es ist ein seltsames Land und ein großer Kontrast gegenüber den eben erst verlassenen Grenzgebieten Österreichs, wo Wälder die Gegend freundlich machen, wo fruchtbare Erde ist. Hier ist gerade das Gegenteil: Felsen, auf denen höchstens etwas Moos, geringe Alpenflora den harten Eindruck des Steinplateaus mildert.
Bei Ampezzo haben wir getankt und dürften etwas zu wenig Öl im Gemisch gehabt haben, denn bei der Anfahrt zum Mauriapaß lief Kasperl heiß und wir mussten unsere 2/10 Liter Ölbüchse opfern, um etwas Öl in den Tank nachzufüllen. Dann ging es besser und bald waren wir auf dem 1.300 m hohen Paß. Hier war auch die Umgebung beinahe wie in Tirol."

In Italien waren die Hauptstraßen schon sehr gut und man kam in der Ebene flott weiter.

Irgendwo in SüdtirolAnders wie heute wurden Rollerfahrer damals prinzipiell von allen Entgegenkommenden gegrüßt, besonders von Landsleuten, die ja einen Puchroller schon von weitem kannten.

Motorräder hatten nur ganz, ganz wenige. Der Sekretär einer meiner Chefs hatte eines, das war aber auch keine schwere Maschine. Er nannte es "Ferdl", hegte und pflegte es, ging aber dem Ausspruch von Heinrich Spörl nach, daß Dreck alles zusammenhält.


MonséliceMonsélice >>>

Otto war einen elektrischen Rasierapparat gewohnt, hatte diesen aber in Wien zurückgelassen. In Venedig hat er sich nach langer Zeit wieder einmal mit der Klinge rasiert. Es muß ziemlich schmerzhaft gewesen sein, denn er ist dabei von einem Fuß auf den anderen gehüpft.


Fotos: © Otto Suchovsky



© Copyright by Tatjana Suchovsky & Rudi Benesch
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