Wien - Patras

Der Beginn unserer Reise ist für Montag, den 29. Mai geplant. Es liegt eine ausgedehnte Schlechtwetterfront über Mitteleuropa, also entschließen wir uns, einen Tag früher aufzubrechen und irgendwo in der Nähe der österreichisch-italienischen Grenze zu nächtigen, um die voraussichtlich durchwegs verregnete Strecke Wien - Venedig auf zwei Etappen aufzuteilen.

Am Sonntag schlafen wir aus und bepacken unsere Motorräder. Die Abfahrt, geplant für den Vormittag, verzögert sich. Irgendwie weigert sich das ganze Zeugs, das wir hergerichtet haben, im Gegensatz zu unseren bisherigen Reisen in den Koffern unserer Tourenmaschinen zu verschwinden. Wir stopfen und schlichten um. Es regnet. Beides zehrt an den Nerven. Also versuchen wir, die Sache so gut als möglich hinzubekommen. Die Analyse des Problems wird auf den ersten Campingplatz in Griechenland verschoben.

Wie die letzte Griechenland-Reise aufhörte, so beginnt diese: bei strömendem Regen. Wir, normalerweise Regengewand verweigernd, verlassen Wien im Ganzkörperkondom, das wir erst Abends in unserer Herberge ablegen.

Wir starten gegen 13 Uhr. Faszinierend die Bilder, die sich auf der Autobahn aufbauen: abwechslungsreiche Lichteinfälle durch Wolkenschichten und -löcher setzen die Landschaft in filmreife Special-Effects und als Krönung: strömender Regen bei gleichzeitigem gleißendem Sonnenschein. Das von den Reifen der Zweispurigen aufspitzende Wasser produziert die totale Blendung bei Tag. Wir hanteln uns an der Linie zum Pannenstreifen entlang. Über dem Wörthersee, den wir um 19 Uhr erreichen, erstreckt sich ein Regenbogen.

Zwar hört der Regen zwischendurch kurzfristig auf und manchmal brennt auch die Sonne auf uns nieder, es hindern aber Baustellen (die Pack mit 22 km bei Tempo 60 - 80 km/h), eine längere nach der Pack und unzählige kleine, sowie Tunnels mit 60 - 100 km/h-Beschränkungen und Lärmschutzzonen am zügigen Fortkommen. Mit einer Freigabe der 130 km/h ist auf der Südautobahn in Richtung Süden nur noch in Ausnahmefällen zu rechnen und die Rennleitung demonstriert Präsenz.
(Bei der Rückfahrt in Richtung Norden war es wesentlich besser … aber davon später mehr.)


Das Hotel Marko

Vor der Grenze verlassen wir die Autobahn. Wir biegen Richtung Hermagor ab und landen in Nötsch, wo wir nach einem Privatzimmer Ausschau halten, erst aber nur das Hotel Marko zu 69,- Euro das Doppelzimmer ausfindig machen. "Wer suchet, der findet", sagten wir uns, doch die einzige Pension im Ort ist ausgebucht. Ein Einheimischer erzählt uns, dass es früher ca. 40 Privatpensionen in der Umgebung gegeben hätte, die jedoch alle aufgehört haben, Zimmer zu vermieten. Ein Umstand, der uns ins Grübeln bringt. Da das Nass von oben wieder verstärkt einsetzt, entschließen wir uns, das Grübeln zu beenden und im Hotel zu nächtigen. Unsere Motorräder bekommen einen trockenen und abgesperrten Schlafplatz im "Gartenhaus".

Eine kleine Enttäuschung erleben wir, als wir nach dem Abendessen in der Pizzeria (ebenfalls Marko) ins Zimmer kommen und keine Seife im Bad vorfinden - bei 69,- Euro die Nacht sollte das Standard sein. Unsere Seife im Radl, das Radl eingesperrt, die Rezeption verschlossen - wir verzichten aufs Duschen - Wasser von oben hatten wir an diesem Tag schon genug.

Im gesamten auf Fitness und Gesundheit ausgerichteten Hotel, so auch im Frühstücksraum, ist rauchen verboten (Alkohol trinken ist überall erlaubt), also wandern wir am nächsten Morgen mit unserem Kaffeehäferl in der Hand vor die Türe, wo es bereits wieder leicht regnet, und genießen Kaffee und Zigarette. Mit langer Unterhose, Pulli und Regenkombi über dem Lederzeugs machen wir uns auf in Richtung Süden.

Bis kurz vor Venedig gießt es, mal mehr, mal weniger. Da wir zu spät sehen, dass es an der Mautstelle vor Venedig Spuren gibt, die nicht für Motorradfahrer bestimmt sind, können wir uns nicht mehr richtig einreihen. Das Geld übernimmt ein Automat, der Scheine allerdings nur in einer bestimmten Lage annimmt - bis man das raus hat, dauert es ein Weilchen. Aber die lange Schlange hinter uns bleibt geduldig ruhig.

Gegen 15 Uhr treffen wir am Pier der Anek Lines ein. Die Einweiser gönnen uns keine Verschnaufpause. Zurück bei den Motorrädern nach dem Abstempeln der Tickets wollen sie uns gleich in den Schiffsbauch schicken. Wir lassen uns aber nicht hetzen, sondern entledigen uns erst einmal der Plastikhaut, die, inzwischen getrocknet, im Topcase verschwindet.

Silvia und Kurt aus Wien schrieben uns dazu:

Als wir vor von den Dolos über das Lesachtal zurück nach Österreich gefahren sind haben wir uns am Abend auch noch entschlossen zu Nächtigen. Wir sind dann ebenfalls in Nötsch/Gailtal gelandet. Auf dem Parkplatz hat gerade ein älteres Ehepaar Luft in die Reifen Ihrer Fahrräder gepumpt und die waren so freundlich und haben uns ca. 200 m entfernt vom Cafe/Pizzeria Marko zur "Helga" geschickt. Nötsch Nummer 33, die Straße vorm Marko entlang des Baches auf der rechten Seite. Solltet Ihr also wieder mal dort nächtigen wollen/müssen schönes großes Zimmer aber Bad/WC am Gang! Aber mit 20 Euro inkl. Frühstück weitaus günstiger als die Pizzeria und Duschgel war auch im Bad!


Herzlichen Dank für diesen Tipp!


Anek Lines - Kriti II

Unser Einweiser im oberen Deck ist sehr freundlich. Als er sieht, dass sich Tjaky beim Reversieren schwer tut, deutet er ihr abzusteigen und schiebt die bepackte Deauville fachkundig auf den Motorrad-Abstellplatz. Rudi tut sich leichter - den lässt er selbst einparken.

Die Überfahrt gestaltet sich in Bezug auf die Freundlichkeit des Personals und die Friedfertigkeit der Mitreisenden ruhig, was wohl daran lag, dass sich keine Horden von Alkoholmassen konsumierenden und vergnügungssüchtigen Jugendlichen an Bord befanden und vorsaisonsgemäß die Fähre kaum ausgelastet ist. Man lässt uns die beiden Nächte im Barbereich auf der Sitzbank schlafen. Bestens ausgeruht kommen wir pünktlich am Mittwoch gegen 6 Uhr Früh in Patras an.

--> Die Kriti II fährt seit 5. Juni 2006 nicht mehr unter der Flagge der Anek Lines.


     Weiter

Alle Texte und Fotos, wenn nicht anders angegeben, © Tatjana Suchovsky und Rudi Benesch.


Bikerwelt

Unsere Griechenland- und Thailandreisen:

1999 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009
selbst gefahren und erlebt
von den Betreibern der Bikerwelt, Tjaky und Rudi
www.bikerwelt.at


Impressum