Resümee und Vergleich

Auf unseren Wegen auf Evia (Euböa) begegnete uns ein Griechenland der Griechen, welches man in diesem Land in allen vom ausländischen Tourismus überschwemmten Gebieten vermisst. Obwohl es die Wochenendinsel der Athener ist, ist der ausländische Tourist ein gern gesehener Gast - sofern er sich ins ruhige Gefüge des täglichen Lebens der Einwohner eingliedert. Das "Mir-gehört-die-Welt"-Denken und die "Ich zahle, also bin ich König"-Philosophie stößt auf Ablehnung und Distanz, die nicht ausgesprochen werden muss, um für den Eindringling spürbar zu werden.

Zum Reisenden zeigt man sich hilfsbereit und ist stolz, ihm weiterhelfen zu können. Die griechische Sprache dominiert - nicht nur auf den Speisekarten (die oft ungelenkige englische Übersetzung ist zweitrangig), sie dominiert auch in der Priorität der Bevölkerung. "Austria", wie wir es aussprechen, kennt man oft nicht. "Austr-i-a", betont auf dem i - hingegen schon.

Die Musik, die in den Tavernen und Restaurants gespielt wird, ist griechisch modern und gleichzeitig beruhigend. Die in anderen touristischen Hochburgen so beliebten Lieder wie das berühmte Schiff, das kommen wird, oder die weißen Rosen aus Athen hörten wir hier kein einziges Mal.

Aufgefallen ist uns auch, dass auf Euböa die sonst überall öffentlich montierten Thermometer fehlen. Dass es heiß ist, ist dem Griechen bekannt. Wie heiß genau, will er offensichtlich nicht wissen.

Je ur-griechischer die Mentalität, umso ur-griechischer die Toiletten. Selten aber doch fanden wir auf Euböa noch griechische Toiletten (nur mit Loch im Boden) und oft ohne Möglichkeit, die Türe zu versperren, denn es gilt der Grundsatz: Ist die Türe offen, ist das WC frei - ist die Türe geschlossen, ist besetzt.


Eretria versus Parga

Von Eretria fuhren wir direkt nach Parga - vom Griechenland für Griechen ins Griechenland für Touristen. Was gefällt besser? Wir können es schwer sagen, denn "Watschen und Geschmäcker sind verschieden", sagt man bei uns in Wien.
Wir können jedoch die beiden Orte gegenüberstellen.

ERETRIA

PARGA

KOMMUNIKATION UND SPRACHE(N)

In Evia/Euböa bzw. Eretria spricht man Griechisch, gewürzt mit etwas Englisch. Gut Englisch (und ev. auch andere Sprachen) sprechen nur jene, die oft mit ausländischen Touristen zu tun haben (z.B. die Betreiber des Camping Milos oder die Schmuckhändler an der Promenade). Preisverhandlungen gestalten sich oft über einen Taschenrechner, der einem hingeschoben wird, um einen Zahlungsvorschlag zu machen. Die Speisekarten sind fast immer zweisprachig (GR/E).
Der Euböa-Reisende sollte sich wirklich die Mühe machen, die wichtigsten Brocken Griechisch zu lernen, denn auch wenn man sich schwer tut und nicht alles richtig ausspricht oder betont, freuen sich die Einheimischen außerordentlich, wenn man sich bemüht, ihre Sprache zu erlernen.

In Parga sind die meisten Speisekarten in drei (oder mehr) Sprachen gehalten (GR/E/D) und nicht Griechisch zu können, hindert keinesfalls an der Kommunikation mit denjenigen, die die Bestellung der Speisen aufnehmen oder in den Geschäften tätig sind. Hier trifft man die Kellnerin aus Niederösterreich oder die Griechin, die seit 15 Jahren in München lebt, perfekt Deutsch spricht und ihrer Schwester, die ebenfalls mehrere Sprachen spricht, über die Sommermonate in der Snack-Bar aushilft.

DER STRAND

In Eretria gibt es einen öffentlichen, naturbelassenen und gebührenfreien Kieselstrand, der zu jener Zeit, als wir uns dort aufhielten (1. Juni-Hälfte) von den Griechen vereinzelt und kurzzeitig genutzt wurde.

Das Meer ist "gesund", es lebt viel in ihm und es gibt unter Wasser viel zu sehen. Das zeigt sich natürlich auch an dem, was an den Strand gespült wird: lebende und tote Krabben, Muscheln, Sepia, Tang, ein Stofftier …

In Parga gibt es am gepflegten und von Treibgut gesäuberten Sand/Kieselstrand im Herzen der Stadt Liegestuhl- und Sonnenschirmverleih; man darf sich aber auch kostenlos hinter der Front der zahlenden und den Strand meist ganztags nützenden Badegäste nur auf dem Handtuch liegend ein Platzerl suchen.

Seit dem Frühjahr 2006 wacht ein "Life Guard" mit Fernglas und Rettungsboje über das Wohlbefinden der bereits in der Vorsaison dicht gedrängt liegenden Sonnenanbeter. Im Kollektiv mit anderen Touristen aus aller Herren Länder kann man sich auch in der Valtos-, der Kryoneri- und der Lichnos-Bucht durchrösten lassen.

DAS PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS

In Eretria ist alles geringfügig bzw. bis zu 50 % billiger als in Parga. Die Lokale verzichten auf aufwändige Dekorationen und hat man in einer Taverne oder in einem Restaurant Platz genommen, kann es schon sein, dass es einem vorkommt, dass der Servierkörper gar nicht bemerkt hat, dass Gäste da sind - man hat Zeit und man lässt sich Zeit. Hat der Gast fertig gespeist, bleibt er noch eine Weile (oder noch länger) sitzen, plaudert und genießt. Ganz selten nur wird man vor einem Lokal von einem Kellner angesprochen, der einem sein Speisen-Repertoire schmackhaft machen will.

Geboten wird, was der metropolenverwöhnte Athener mag: seine moderne Musik, seine Speisen, seinen kräftigen Ouzo und seinen würzigen Wein sowie die Ruhe, die er in Athen vermisst und wegen der er auf die Insel kommt. Die Boutiquen und Schmuckgeschäfte orientieren sich am Athener Großstadt-Standard und bieten von preisgünstigen und doch modischen Alltagsgewand bis zur exklusiven, aber nicht überteuerten Mode alles an. Ein Preisnachlass ist auf Anfrage trotzdem drinnen.

In Parga investiert man viel, um die Speisetempel und Tavernen aufzudekorieren und den ausländischen Touristen jene Kulisse aufzubauen, die seinem Bild von Griechenland entspricht. Man berieselt ihn meist mit traditioneller griechischer Musik, stellt sich (z.B. mit verschiedenen Frühstücksvarianten oder mit dem "Wiener Schitsel") global auf seine Wünsche ein und praktiziert das in mitteleuropäischen Ländern übliche schnelle Service. vor den Lokalen findet man nicht nur die Speisekarte, sondern oft auch einen der Kellner, der dem Touri das Angebot des Lokals auch noch verbal erklärt. In Parga hielt auch das Self-Service-Restaurant Einzug, doch preisgünstiger als anderswo ist es auch nicht.

Die Geschäfte in Parga richten ihr Warensortiment am Touristen aus. Souvenirs aus Massenproduktionen dominieren das Bild. Exklusive Stücke zu vernünftigen Preisen sind rar. Die nächst größeren Städte sind Igoumenitsa (ca. 60 km) und Preveza (ca. 68 km) und dieser regionale Vorteil, zusätzlich zu erweiterten Öffnungszeiten und Touristenklientel aus aller Welt lassen die Preise steigen. Die höfliche Frage nach einem Preisnachlass empfiehlt sich allemal.

ÖFFNUNGSZEITEN
Eretria erwacht gegen 9 Uhr. Da wird geliefert, eingekauft und gegessen; da wurlt es in den Straßen. Gegen 13 Uhr fällt die Stadt in den für südliche Länder typischen Mittagsschlaf, der bis ca. 17 Uhr andauert. Danach ist wieder alles bis in die Nacht hinein geöffnet. In Parga entfällt die Siesta. Der Tourist soll das gesamte Angebot zur jeder Zeit, in der er unterwegs sein möchte, genießen können.


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Alle Texte und Fotos, wenn nicht anders angegeben, © Tatjana Suchovsky und Rudi Benesch.


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