Lefkas (Lefkada)

Gegen 9:30 Uhr fahren wir in Parga los. Die Strecke bis Preveza kennen wir schon - die E55. Schön asphaltiert zieht sie sich an der Küste entlang. Wie bereits im Vorjahr ist sie jedoch vor L.... gesperrt. Die Umfahrung führt durch den (sicher davon profitierenden) hübschen Badeort, an dessen Strand sich gerade ein Bikerpaar zum Baden fertig macht, sonst sind noch keine Sonnenanbeter anwesend.

Bereits vor dem Tunnel, der unter dem Meer durchführt, was immer noch 0,70 Euro pro Motorrad kostet, ist Lefkada ausgeschildert. Bevor man die Insel erreicht, passiert man eine Metallplatten-Zugbrücke.

Und ein Blick in die Umgebung lässt erstaunen, dass das alte, ehrwürdige Gebäude noch steht ...

Die Straße, die die Brücke mit der Stadt Lefkas verbindet, wurde ins Meer gebaut.

Am Ende dieser Straße befindet sich eine Brücke, nach der wir sofort nach links abbiegen, durch den Hafen fahren und über eine Ausfallsstraße die Stadt verlassen, um auf die in der Landkarte der "Road Edition" rot eingezeichnete Bergstraße zu kommen.

"Jaja, das ist schlecht beschildert", wird uns hinterher bestätigt. Wir halten uns an den Ortsnamen "Nikitas", der ungefähr in der Richtung liegt, in die wir wollen - aber eben nur ungefähr. Es geht kurvig bergauf und wieder bergab. Plötzlich stehen wir am Meeresstrand - was eigentlich nicht sein sollte, denn wir sollten uns bereits ca. 650 Meter über dem Meer befinden.

Wir stellen fest, dass wir uns in der Nikitas-Bucht befinden, deren heller Sandstrand in der Sonne leuchtet und dessen glasklares Wasser zum Baden einlädt. Es verwundert, dass sich nur wenige Menschen dort aufhalten, um Sonne und Wasser zu genießen.

30 Meter vor uns ein Wegweiser. "Sfakiotes" steht drauf und "Kavalos". Also aufgesessen und Blinker nach links. Als wir abbiegen wollen, sehen wir kaum Straße, nur Steine und ein schüchternes, blaues Schild mit griechischer Aufschrift, das wir nicht entziffern können. (Später erfahren wir, dass diese Straße bei einem Erdbeben in den letzten Jahren verschüttet und beschädigt wurde und bis heute nicht instand gesetzt ist.)

Also weiter nach Agh. Nikitas, wo sich eine Abzweigung nach Kalamitsi anbietet. Die enge, kurvige Straße führt bergauf - genau das, was wir wollen. Unterwegs eine große Kreuzung mit Verkehrsinsel und Wegweiser nach Drimonas. Das liegt direkt an der Roten. Noch besser!

Dank dem Verlag der "Road Edition", der diese Land- und Straßenkarte in Zusammenarbeit mit dem Militär herausgibt! Ohne sie wären wir aufgeschmissen gewesen!

Was allerdings selbst in dieser Karte nicht eingezeichnet ist, sind die sechs steilen, einspurigen 179°-Kurven, mit denen sich ein Motorrad-Frischling wohl schwer tun würde.

In Drimonas haben wir noch eine sehr steile, spitzkehrige Rechtskurve zu absolvieren - (herzlichen Dank an unser SESEK [Schutzengel-Sondereinsatzkommando], welches dafür sorgte, dass uns auf dieser Strecke nichts entgegenkam oder unsere Wege kreuzte) - dann noch ein paar Meter und wir haben "die Rote" unter den Reifen.

War es bis Drimonas ein außergewöhnliches, nervenkitzelndes Straßen- und Kurvenerlebnis, stellt sich nun der Genuss-Fahrspass ein. Klar muss man auch hier mit Bankettabrutsch, Steinschlag und Wildtierwechsel rechnen, doch geht es jetzt auf dem in sich abwechslungsreichen Asphalt wesentlich zügiger weiter als über das enge Bergstraßerl. Es gibt wieder zwei Fahrspuren und das beruhigt.

In Agh. Petros wird es wieder eng. Ein Verkehrsspiegel und die Aufmerksamkeit des entgegenkommenden PKW-Fahrers verhindern einen Zusammenstoß.

In der Kehre nach der Kirche finden wir eine Taverne, wo wir uns schnell einen Eistee teilen, denn die graue Wolke, die uns bereits seit einiger Zeit verfolgt, verdichtet sich bedrohlich über den 1.100 Meter hohen Berggipfeln.

Bis zum Küstenort Ponti ist es jedoch nur noch ein kleines Stück und noch einmal am Gasgriff gedreht, befinden wir uns auch schon in Vasiliki (ohne es zu wissen).

Wir verfransen uns im Glauben, immer noch in Ponti zu sein, in den Hafen, wo, ähnlich wie in Parga, die Pflasterer einen neuen Boden auf die Hafenpromenade legen.

Wir wollen eigentlich nur nach dem Weg fragen, stellen unsere Radeln neben einem Lokal ab und tun das. Der örtliche Polizist, der im PKW patroulliert, fordert uns jedoch auf, die Fahrzeuge ein paar Meter weiter abzustellen. Was wir tun. Und weil sie nun so gut und behördlich angeordnet stehen, gönnen wir ihnen den Meerblick und uns ein Mittagessen mit Meerblick.



Ab Vasiliki folgt man den Schildern nach Lefkada. Der Rest der Strecke wäre schnell gefahren, wären da nicht unzählige Stellen, die nach einem Erinnerungsfoto schreien, besonders aber jene nach Katochori, wo plötzlich der Blick auf die Vlicho-Bucht freigegeben wird, in der unzählige Segelschiffe vor Anker liegen. Aufmerksame Straßenbauer haben dort den rechten Seitenstreifen etwas verbreitert, damit jeder, der keine Postkarte kaufen will, sein Foto selbst schießen kann.

Nur noch zwei gemütliche Kehren, die letzten an diesem Tag, dann führt die Straße am Meer entlang - manchmal gerade eben fünf Meter. Unzählige Bademöglichkeiten, Lokale und Geschäfte bieten sich nun an. Wer Boote und Schiffe mag, ist auf der Strecke zwischen Vlicho bis Lefkada richtig.

Ehe wir es uns versehen, sind wir wieder in Lefkada und auf dem Heimweg. Gegen 17:30 Uhr und nach 256 gefahrenen Kilometern treffen wir wieder in Parga ein.

Lefkas ist ein Paradies für Motorradfahrer. Die rote Straße (der "Road Edition") ist gut zu fahren. Geübte Tourenfahrer werden auch mit den gelben Straßen ihre Freude haben und im Kurvenrausch liegen. Und auch für Offroad-Freunde haben wir unzählige Wege gesichtet, die die Hügel- und Berglandschaft durchziehen.

Ohne Karte sollte jedoch niemand als Ortsunkundiger auf Lefkas unterwegs sein! Groß ausgebaute und toll beschilderte Abzweigungen können täuschen und auf sehr enge, schwierig zu fahrende Wege führen!

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Alle Texte und Fotos, wenn nicht anders angegeben, © Tatjana Suchovsky und Rudi Benesch.



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