KORINTH (4. - 6. 6. 2004)

Korinth

Seit jeher waren sich die Menschen über die Bedeutung dieses Platzes im Klaren: Wer vom Festland auf dem Landweg auf den Peloponnes wollte, musste dort durch, ebenso alle, die sich die Umschiffung der Halbinsel ersparen wollten. Kleiner Nachteil: Griechenland ist eine stark durch Erdbeben gefährdete Region Europas. Hier reiben sich die europäische und die afrikanische Platte aneinander. Das wussten die alten Korinther nicht, aber sie bekamen es immer wieder zu spüren.

Im 9. Jht. v. Chr. siedelten hier die Dorer, handelten eifrig und bauten eine starke Flotte auf. Ca. 200 Jahre später galten sie als führende Kolonialmacht im Mittelmeerraum. Sie produzierten auch selbst - Töpferwaren kunstvoll bemalt - und sie erfanden: das „Korinthische Kapitell“; eine verbesserte Variante eines Kriegsschiffes mit drei Ruderreihen übereinander; oder das „Korinthische Erz“, eine spezielle Metalllegierung.

Seine Blütezeit erlebte Korinth im 5. Jht. vor Chr. Inzwischen hatte sich jedoch Athen mit seinem Hafen Piräus zur ernsthaften Konkurrenz entwickelt. Eine diplomatische Intervention in Sparta brachte nichts, sondern löste den Poloponnesischen Krieg aus, der von 431 - 404 v. Chr. dauerte. Schließlich kapitulierte Athen, doch die beiden Gegner waren schwer vom Kampf angeschlagen.
Das nützte König Philipp II. von Makedonien als lachender Dritter und eroberte Korinth. 223 v. Chr. musste er die Macht jedoch an die Römer abgeben.

Die Korinther wehrten sich gegen die römische Herrschaft und das bedeutete ihren Untergang. Die Römer zerstörten die Stadt und ermordeten oder versklavten ihre Einwohner.
Ebenso waren es aber die Römer unter Julius Cäsar, die diesen wichtigen Handelsplatz 44 v. Chr. reaktivierten und mit einer Bürgerkolonie neu belebten. Korinth blühte abermals auf, seine Einwohner genossen Prunk und High-Life sowie die Tempeldienerinnen der Aphrodite.
Dann fielen die Goten und die Slawen ein. 521 n. Chr. rumpelte die Erde und zerstörte, was die wilden Horden nicht zerstört hatten.

Abermals kamen die Römer, diesmal unter Kaiser Justinian und bauten Korinth wieder auf. Doch Ruhe hatte die Stadt keine. Um 1204 stellten sich die Franken ein, die sich mit der Einnahme des Festungsberges besonders schwer taten. Sechs Jahre belagerten sie ihn, um um es dabei bequemer zu haben, bauten sie auf dem westlich gegenüber liegenden Hügel die Burg Penteskouphi.

Die Byzantiner eroberten Korinth 1395 zurück, verkauften es aber 1400 an den Ritterorden der Johanniter. 1458 kamen die Türken dran, die Stadt zu beherrschen, 1678 - 1715 die Venezianer. 1822 wurde es von den Griechen befreit.

Korinth hatte jetzt zwar Ruhe von gierigen Eroberern, dafür machten sich die tektonischen Plattenverschiebungen verstärkt bemerkbar: 1858 wurde die Stadt komplett zerstört, wieder aufgebaut; 1928 und 1981 bebte abermals die Erde und zerstörte große Teile der Stadt. Die Bauten des modernen Korinths sind deshalb wenig sehenswert. Die historische Bausubstanz ist aus dem Stadtbild verschwunden, es dominieren mehr und mehr Stahlbauten.

Alt-Korinth (Arhea Korinthos)

Das ländlich beschauliche Dorf liegt am Fuße des mächtigen, 575 m hohen Felskekels Akrokorinth unmittelbar neben den Ausgrabungen. Trotz vieler netter Tavernen läßt es begrenzte Aufnahmekapazität - besonders während der Hauptsaison - vermuten. Iregndwie scheint auch hier der griechische Grundsatz zu gelten: Je näher die alten Steine, umso höher die Preise!

Ancient Korinth

Für einen Obulus von 6,- Euro bekommt man einen Folder mit Lageplan und die Eintrittskarte. Auf dem Areal darf man gehen, wohin man will. Absperrungen gibt es fast keine. Ich bin mir im Durcheinander der herumliegenden alten Steine recht unsicher, ob ich gerade jemandem durch's Schlafzimmer trappe oder mich zwischen zwei Gebäuden befinde. Es fällt nämlich schwer, auf diesem Areal eine langvergangene Kultur vor dem geistigen Auge aufleben zu lassen. Nur die große Einkaufsstrße und der Apollo-Tempel lassen sich gedanklich rekonstruieren.

Ja doch, es gibt kleine Highlights! Kapitelle liegen verstreut und nicht zuordbar im Sand, man kann sich ganz aus der Nähe die Steinmetzarbeit betrachten. Oder die kleinen Rosetten, die sonstwo witterungsgeschützt im Museum aufbewahrt werden.

Oder der Kopflose, der wohl seit Jahrhunderten aus seiner Niesche, in der er steht, denselben Ausblick über die Ebene genießt. Da und dort finden sich Schriftzüge auf Marmor, Säulenfragmente, Gemäuer, Quadersteine - jeder für sich ein Stück Kultur, in seiner dem uninformierten Touristen undokumentierten Lage aus dem historischen Gesamtbild gerissen und dem Zahn der Zeit zur endgültigen Vernichtung preisgegeben.

Draußen vor dem Gelände gibt es einen nicht allzu großen Parkplatz. Hier fällt es schon leichter, sich das Gedränge während der Hauptsaison vorzustellen, wenn Busse ihre Menschenladungen ausschütten und es zwischen den Fahrzeugquardern wurelt wie in einem Ameisenhaufen.


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Akrokorinth

Um die durch einen dreifachen Mauerring mit drei Toren gesicherte Burgfeste ranken sich einige Legenden.

Jason versetzte seine Freundin Medea, da er ein Auge auf Glauke, die Tochter des Königs Kreon, geworfen hatte. Als die Hochzeit fixiert war, schickte die auf Rache sinnende Medea, Freundlichkeit heuchelnd, der Glauke ein prächtiges, aber verfluchtes Hochzeitskleid. Als die Braut es anlegte, ging es in Flammen auf. Um den Brand zu löschen, sprang Glauke in das in den Fels gehauene Brunnenhaus, welches seitdem ihren Namen trägt.

Eine noch so gut befestigte Burg auf einem fast uneinnehmbaren Felsen nützt gar nichts, wenn sie nicht über eine ausreichende Wasserversorgung verfügt. Das erkannte auch Sisyphos, der legendäre Gründer Korinths. Eines Tages wurde er ungewollt Zeuge, als die Flussnymphe Ägina vom Göttervater Zeus vergewaltigt wurde. Er fasste den Plan, aus seinem Wissen Profit zu schlagen und bot dem wütenden Vater des Mädchens (Asopos, Flussgott) an, ihm den Namen des Übeltäters zu verraten, wenn er auf dem Burgfelsen eine Quelle entspringen lassen würde. Asopos stieg auf den Handel ein und die sog. Peirene-Quelle sprudelt noch heute.

Zeus war sauer, weil Sisyphos ihn verpetzt hatte und aktivierte seinen Kollegen Thanatos, zuständig für den Tod der Sterblichen. Sisyphos überwältigte den personifizierten Tod, legte ihn in Ketten und ließ ihn im Burgverlies schmoren. Diese Frechheit eines Sterblichen erzürnte die Götterschar. Kriegsgott Ares machte sich auf den Weg und befreite Thanatos, der nun den zweiten Anlauf nahm, um Sisyphos in Hades Reich zu bringen, was abermals misslang. Zwar gab Sisyphos den Löffel ab, doch hatte er seine Frau instruiert, ihn nicht zu bestatten und jeglichen Totenkult zu unterlassen. Als er Hades, dem Gott des Totenreichs, begegnete, war dieser im wahrsten Sinne des Wortes „blind vor Wut“ und schickte ihn zurück zu seiner Frau, um diese zu beauftragen, ihn nach allen gebotenen Regeln zu beerdigen. Sisyphos kehrte zurück auf seine Burg, tat nichts von dem, was ihm Hades aufgetragen hatte, sondern erfreute sich seines langen Lebens gemeinsam mit seinem braven, gehorsamen Weib. Irgendwann im hohen Alter war auch seine Zeit auf Erden abgelaufen. Doch als Strafe für seine Ungehorsamkeit wurde er von den Göttern dazu verdonnert, bis in alle Ewigkeit einen Stein auf die Akropolis hinaufzuwuchten. Aber jedesmal, wenn er fast oben ist, bekommt der Felsbrocken einen Stupser und beide kugeln den Hang hinab - eine echte Sisyphos-Arbeit.

Zurück zu den Tatsachen. Der am Gipfel liegende Tempel war der Göttin Aphrodite geweiht. Sie war zuständig für Schönheit, Liebe und Sexualität. Besonders der letzte Punkt hatte es den alten Korinthern angetan! Bis zu 1.000 Priesterinnen („Hierodulen“) belebten in der Blütezeit der Stadt diesen Tempel und dienten ihrer Göttin, indem sie Liebe praktizierten. Sie müssen sehr gut in ihrem Fach gewesen sein, denn unzählige Pilger strömten täglich in die Stadt und nahmen den beschwerlichen Weg auf die Burg hinauf in Kauf, um sich von den Tempeldienerinnen verwöhnen zu lassen und ihr „Opfer“, einen Samenerguss, zu bringen.

Der Tempel der Aphrodite wurde in byzantinischer Zeit mit einer kleinen Kirche überbaut.
Um 50 n. Chr. predigte Apostel Paulus in Korinth, dem das lüsterne Treiben, getarnt als Gottesverehrung, ein Dorn im Auge war. Er schrieb seine berühmten „Briefe an die Korinther“, die die Menschen aber nicht sehr beeindruckten. Als einige empörte Juden den Paulus vor den Prokonsul Gallio zerrten und ihn bezichtigten, das Volk zu einer Gottesverehrung zu verführen, die gegen das Gesetz verstieße, winkte der Richter desinteressiert ab und meinte, die Streithähne sollten doch ihre Unsitmmigkeiten untereinander ausmachen.

„Die Burgfestung von Akrokorinth war durch eine riesige Stadtmauer mit der Hafenfestung Lechaion (Leheo) verbunden. Von Lechaion führte eine lange, gepflasterte Straße auf die antike Agora (Markt), gesäumt von Säulenhallen und Läden. Auf der Agora, auf der sich das politische und wirtschaftliche Leben abspielte, standen neben Ladenreihen und Verwaltungsgebäuden auch Tempel, von denen der eindrucksvollste der Appollon-Tempel ist (ein dorischer Säulenhallen-Tempel aus dem 6. Jht. v. Chr., mit Anbauten aus dem 1. Jht. n. Chr.), der mit seinen wuchtigen, aus einem Stück gearbeiteten Säulen trotz der großen Zerstörungen eines der großartigsten Monumente dorischer Architektur ist. Im Nordwesten der Agora sind noch Reste eines Theaters (4. Jht. vor Chr.) und eines römischen Odeums zu sehen.“
Asphaltierte Zufahrt vom 3 km entfernten Alt-Korinth aus beschildert. Di - So 8 - 19 Uhr.

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