Parga - Delfi
(ca. 350 km)
oder
Der Tag der Tiere



Nach einem ausgiebigen Ruhetag, an dem wir unsere Tour nach Delfi auch mit Christos von der Terra-Bar besprechen, brechen wir am Vormittag mit Zelt und Schlafsäcken im Gepäck auf.

Gleich nach Parga überfährt Tjaky ein kleines Tier, kann aber nicht erkennen, was es ist. Kurz darauf läuft gemütlich ein Artgenosse über den Asphalt: schwarz, 6 Beine und mit hoch erhobenem Schwanz - ein kleiner Skorpion! Also aufpassen in Griechenland! Speziell beim Campen Schuhe vor dem Anziehen immer umdrehen und ausschütteln, Kleidungsstücke (Helm!) und Gegenstände vor Gebrauch auf Mitbewohner kontrollieren.

Wenig später treffen wir auf eine ganz kleine Landschildkröte.

Tunneleinfahrt auf der prevezianischen SeiteZuerst nach Preveza und durch den Tunnel unter dem Meer durch. Christos hatte uns empfohlen, die Küstenstraße zu nehmen, die in unserem Plan einen zusätzlichen grünen Strich hat, was "Malerische Strecke" bedeutet.

Bis Paleros geht es zügig durch eine Ebene. In dem Ort wollen wir halten, um einen Kaffee zu trinken, doch schon die Hauptstraße ist zu eng, um unsere Motorräder abzustellen, ohne den Verkehr zu behindern. Das ist auch der Grund, weshalb wir auf den folgenden 60 Kilometern dem Meer entlang auf der breiten, neuen Straße ziemlich einsam dahingleiten. Erst wenn die E55 bei Preveza an den Tunnel angeschlossen sein wird und
Paleros eine LKW-taugliche Umfahrung haben wird, wird auch diese Küstenstraße vom Schwerverkehr eingenommen werden.

KüstenstraßeAls Rudi in einer der vorerst noch recht rumpeligen Kurven gleich nach Paleros einem LKW begegnet, knallt ihm etwas an den Helm und reißt ihm das Visir auf. Er vermutet, ein Stein, findet sonderbarerweise am noch recht neuen, dunkelroten Helm keinerlei Kratzer.

"Malerische Strecke" bewahrheitet sich, was den Ausblick auf die Landschaft betrifft. Die Küstenstraße geht manchmal direkt am Meer entlang. Ein Badestop bietet sich (noch) überall an. Manchmal schwingt sich der breite Asphaltstreifen in großzügigen Kurven einen Hügel hinauf und bietet neue Perspektiven auf Berge, Meer und Inseln.

Irgendwo nach Mitikas sieht Tjaky etwas Großes auf der Fahrbahn, was sich langsam vorwärtsbewegt - eine ansehnliche Schildkröte.

Auf dieser Küstenstrecke empfiehlt es sich, vorher vollzutanken und etwas zu trinken mitzunehmen, da sich zwischen Paleros und Astakos keine Tankstellen und Restaurants befinden. Abgesehen von den ersten Kurven ist die Fahrbahn in erstklassigem Zustand, da und dort wird gebaut, außer Mitikas gibt es aber noch keinen Ort an der Strecke, wo man Speis und Trank erhält.

Watschen und Geschmäcker sind verschieden. Rudi gefiel die Strecke zwar landschaftlich gut, aber weniger der viele Staub, der sich darauf abgelagert hatte. Tjaky gefiel sie allemal gut - den Staub muß man in Griechenland eben in Kauf nehmen.

AstakosIn Astakos beschließen wir, uns endlich unsere Erfrischungspause zu gönnen. An der Kreuzung finden wir gleich ein Lokal, in dem wir uns etwas ausruhen und die frische Meeresbrise genießen.

Nach Astakos geht es in engen Kurverln einen Hügel hinauf und gleich wieder hinab. An mancher Stelle fehlt rechts ein Stückchen der Fahrbahn bzw. wurde das Loch mit ein wenig Teer "provisorisch" aufgefüllt und - so der Bauarbeiter Lust hatte - auch die Leitschiene wieder erneuert. Viel Lust hatte er allerdings nicht dazu.

Anschließend geht's zügig durch eine Ebene wieder auf gut asphaltierter Straße, an der rechts und links hohes Strauchwerk steht.
Immer wieder fahren wir durch Schwärme von Mehlschwalben, die an diesem Tag bis knapp über den Boden fliegen. Zuerst ist es recht lustig, denn die Kunstsegler schaffen es immer, rechtzeitig abzudrehen. Plötzlich sieht Tjaky ein weißes Bäuchlein auf sich zuflitzen - "Das geht sich nicht mehr aus!" - senkt den Kopf und knallt bei etwas über 100 km/h mit dem Helm frontal gegen das Tier! Es fühlt sich an wie ein Hammerschlag und im Schädel brummt's gewaltig! Wir halten kurz an. Am Helm sind nur ein paar kleine Schleifspuren zu sehen. Nun wissen wir auch, daß Rudis "Stein" in Paleros ebenfalls ein Vogel gewesen sein muß.

KüstenstraßeVor Neochori biegt ein Linienbus vor uns auf die Straße. Tjaky vermutet, daß es sich um eine wichtige Linie handelt, da der Bus die Nummer 1 trägt, und folgt ihm. Er geleitet uns bestens durch Neochori, hält aber da und dort unvermutet an, um ein, zwei Personen aufzunehmen oder rauszulassen. Überholen ist während seiner kurzen Stops sinnlos, da er ohnehin sofort weiterfährt. Allerdings lernen wir daraus, daß bei öffentlichen Bussen in Städten immer damit zu rechnen ist, daß sie mitten auf der Fahrbahn anhalten, um Station zu machen.

Wir lassen Neochori hinter uns und sind schon gespannt auf Etoliko, denn auf unserem Plan ist mitten in einer Meeresenge eine Tankstelle eingezeichnet. Tatsächlich liegt der gar nicht so kleine Ort auf einer Insel und ist über Brücken zu erreichen.

Eigentlich wollten wir gleich auf die rot eingezeichnete Straße, wir biegen jedoch auf die gelbe und gelangen auf ihr ins Zentrum von Mesologi.

Als wir dann doch auf die Rote (E 65) einschwenken, auf der es wieder belebter zugeht, da uns der Schwerverkehr wieder hat, machen wir kurz darauf Tank- und Kaffeestop an einer Tankstelle mit ausgesprochen schönen WC-Anlagen. An den touristischen Hauptrouten fanden wir überhaupt nur englische WCs, manchmal allerdings ohne Klobrille, da die Griechen ein Porzellan-WC ohne Plastikaufsatz als hygienischer und leichter zu reinigen finden.

In Nafpaktos wollen wir Mittag essen, da unsere Landkarte prophezeit, daß die rote Straße mitten durch den Ort verläuft. Zuerst zieht sich nach dem Ortsschild eine lange Gerade an Wohnhäusern vorbei. Plötzlich eine grün blinkende Ampel und ein großer, nach rechts weisender, gelber Pfeil. Der PKW vor uns bremst sich ein. Stau! Ein riesiger LKW quält sich ums enge Kurverl. In der Mitte des Hauptplatzes sitzen Menschen in einem Gartenlokal und geben sich das für sie ganz normale Chaos, die Abgase genießend, live. Auf der anderen Seite, in ihrem Rücken, donnert der Gegenverkehr vorbei. Wir erhaschen noch einen Blick auf die alte Hafenfestung und keinen auf einen geeigneten Parkplatz. Also weiter, im guten Glauben, daß sich bald etwas anderes finden würde, um unseren Hunger zu stillen.

Wir erleben jedoch dasselbe wir auf der Strecke Paleros - Astakos: bestens ausgebaute Fahrbahnen, doch die körperlichen Bedürfnisse können nur in den kleinen Orten befriedigt werden, von denen es hier allerdings alle paar Kilometer einen gibt, dazu muß man jedoch von der Hauptstraße abfahren.

Also weiter, noch dazu, wo sich die inzwischen gewohnten, nachmittäglichen Gewitterwolken zusammenbrauen und wir bis zu unserem Ziel, einem Campingplatz in Delfi, noch einige Kilometer zurückzulegen haben.

Irgendwo nach NafpaktosIrgendwo nach Eratini beginnt es leicht zu tröpfeln - ein böses Zeichen! Es hört jedoch bald wieder auf. Bei der Abfahrt nach Galaxidi beschließen wir, erst einmal Nahrung aufzunehmen, denn der Hunger ruft bereits die ersten Konzentrationstiefs hervor.

Wir staunen nicht schlecht, daß es in dem malerischen Städtchen auf dem Hügel kaum asphaltierte Straßen gibt! Auf rutschigem Schotter und Sand irren wir durch enge Einbahn-Gasserln, bis wir endlich im Hafen landen, die Radeln abstellen und ins erstbeste Restaurant wanken. Magen füllen und danach sehen, wie's weitergeht!

Die Entscheidung wird uns leicht gemacht, denn während wir ganz banale Spaghetti Carbonara in uns reinstopfen, grumpelt und blitzt es um uns herum immer gewaltiger. Wir geben den Gedanken auf, die 11 km bis zum Campingplatz in Itea zu schaffen, und beschließen, uns eine Pension zu suchen, wo unsere Motorräder nicht auf einer der engen Straßen nächtigen müßten. Nach langem Suchen finden wir diesen Komfort lediglich beim Hotel Galaxidi, welches über einen eigenen - wenn auch nicht von der Straße getrennten - Parkplatz verfügt.

Die Fahrt dorthin ist zwar nur kurz, aber trotzdem eine der interessantesten unseres Urlaubs. Inzwischen gießt es. Über nun sehr rutschigen Schotter-Sand mit ein paar Minibächlein dazwischen reiten wir bergauf zu unserer nächtlichen Bleibe.

Der Hotelier zählt nicht unbedingt zu den freundlichsten, noch dazu, wo er unsere mißliche Lage voll durchschaut, uns aber den Hauptsaison-Zimmerpreis verrechnet - er versichert uns aber, daß unsere Motorräder auf seinem Parkplatz sicher wären. Er würde sein Auto auch immer offen und mit angestecktem Schlüssel dort stehen lassen. Irgendwie glauben wir ihm das nicht!

Zwar haben wir nun um horrende 45,- Euros ein Zimmer - ohne Frühstück, denn das würde pro Nase noch einmal 10 Eus kosten (- das Futter kann er sich wirklich behalten! -) aber so recht glücklich sind wir nicht darüber.

Hotel GalaxidiAls wir das Zimmer betreten, beginnt Rudi bald darauf heftigt zu niesen, und das will nicht aufhören. Das Raumpflegepersonal hat es gut gemeint und mit mächtig viel Duftstoffen - gegen die Rudi allergisch reagiert - den Mief aus dem Zimmer zu vertreiben versucht. Deswegen reißen wir die Balkontüre auf und gehen eine Weile spazieren. Danach ist es besser. Doch die Gelsen (Stechmücken), die inzwischen das Zimmer bezogen haben, umschwärmen uns die ganze Nacht, was wir, verwöhnt von unserem insektendichten Zelt, als recht störend empfinden.

Wir erwachen - dank unserer surrenden Mitbewohner - einige Male während der Nacht und stellen fest, daß absolute, fast gespenstische Stille in Galaxidi herrscht. Eine Seltenheit in Griechenland, wo doch immer eine Grille zirpt oder ein Hund bellt.

Trotzdem fühlen wir uns am nächsten Morgen ausgeschlafen und bereit zu neuen Kilometern. Beim Bezahlen bekommen wir ein Glas Marmelade als Geschenk des Hotels - unsere Freude hält sich in Grenzen - befördern wir doch wegen schlechter Erfahrungen möglichst kein Glas in unseren Koffern.

Über eine herrliche engkurvige Straße, viel kurvenreicher als auf der Karte eingezeichnet, schlängeln wir uns hinauf nach Delfi und sind froh, diese trocken und bei herrlichem Sonnenschein zu genießen. Zwar haben wir vor, in Delfi auf einem der Campingplätze zu nächtigen, doch lassen wir diese erst einmal rechts und links liegen, denn unsere Mägen knurren!

Mitten in dem Bergstädtchen finden wir - dank der Nachsaison - einen guten Platz für unsere Reittiere, schlendern die Straße entlang und finden ein kleines Straßencafé, in dem wir frühstücken: 2 Häferlkaffees + 2 warme Buttercroissants = 7,40 Euro, und damit 12,60 Euro gegenüber dem Frühstück im Hotel Galaxidi erspart!

Blick von Delfi über die Ebene zum MeerWährend wir frühstücken und die phantastische Aussicht genießen, werfen wir wieder einmal unsere Pläne über den Haufen: Die Stadt Delfi haben wir bei unserem kurzen Rundgang bereits gesehen - sie besteht nur aus Hotels zur Beherbergung jener Touristen, die sich die Ausgrabungen ansehen wollen, aus etlichen Souvenierläden und Restaurants. Da Rudi den "Stanahaufen" schon gesehen hat, will er bei den Radln bleiben oder etwas trinken gehen. Tjaky soll sich die Kultstätte alleine anschauen und danach würden wir nach Nafpaktos zurückfahren, um dort zu campieren.

Von Delfi hätte es eine sehr interessante Strecke über Amfissa - Lamia - Karpenisi - Agrinio gegeben. Äußerst kurven- und kehrenreich, für die man sich mindestens zwei Tage Zeit nehmen sollte. Angesichts des miesen Wetters, speziell in den Bergen, verzichten wir auf diese Tour.

Alles klar!


DelfiWir schwingen uns wieder in die Sättel und fahren weiter zur Ausgrabungsstätte, die eigentlich gleich nach dem Ort Delfi liegt. Diese Fahrt hätten wir uns sparen können! Wäre Tjaky die paar Meter gegangen, hätten wir uns die neuerliche Parkplatzsuche erspart, denn Abstellplätze für Fahrzeuge gibt es dort fast keine. Die Busse parken skrupellos auf der Fahrbahn, die PKWs quetschen sich aufs Bankett knapp an den Abhang. Wir haben Glück und finden Plätze auf dem wohl einzigen regulären Parkplatz, auf dem gerade drei Reisebusse Platz finden würden. Wir wagen gar nicht daran zu denken, wie es dort während der Hauptsaison zugeht!!!

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von den Betreibern der Bikerwelt, Tjaky und Rudi
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